05.02.2015

In Trügleben fahren ausgemusterte Schützenpanzer zugunsten seltener Tiere

Trügleben. Eine Szene, die verwundert: Mitten in Friedenszeiten prescht ein Schützenpanzer am Südende des Krahnberges durch das Gelände. Der 300-PS starke Sechszylinder heult auf.
Am Steuer sitzt René Elstner, aber es könnte auch jemand sein, der bei ihm gerade einen Kurzkurs im Panzerfahren absolviert hat. Aus den hinteren Luken schauen Fahrgäste, die sich gut festhalten. Alle sind in Zivil. Was hier passiert, hat mit Kriegsspielen von Möchtegern-Militaristen aber nichts zu tun. Es ist aktiver Naturschutz. Um das zu verstehen, muss man sich mit der Geschichte ehemaliger Truppenübungsplätze beschäftigen: Das Be- und Zerfahren des Bodens mit vielen verschiedenen Kettenfahrzeugen hat dort nicht nur die Feldhasen erschreckt. Es hat auch einen Lebensraum für inzwischen geschützte Arten wie die Gelbbauchunke geschaffen.

Mit Naturschützern abgesprochen

Deshalb gab es auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Hainich einst eine der größten Gelbbauchunken-Populationen in Thüringen. Doch davon ist kaum noch etwas übrig. Naturschützer nennen es Sukzession (Verbuschung), ein in unseren Breiten natürlicher Prozess, der allmählich zur Bewaldung und zu einer Reduzierung der Artenvielfalt führt. Auch der Mensch nimmt Lurchen und Fröschen den Lebensraum, indem er Flüsse verrohrt und begradigt und Tümpel verfüllt. Deshalb sah man es beim Naturschutzbund gern, wenn auf solchen Flora- und Fauna-Habitatflächen hin und wieder Kettenfahrzeuge Runden drehen. Die Strecke bei Trügleben ist mit den Naturschützern und dem Umweltamt abgestimmt und gut gekennzeichnet. Rene Elstner, der für den Bund der Militär- und Polizeischützen am Krahnberg einen Schießstand betreibt, und der Bundesjugend-Referent des Vereins, Falk Steffen Kulp, gründeten dafür extra ein Unternehmen. Sie haben fünf Schützen- und zwei Bergepanzer und wollen Panzerfahren als Erlebnis auch für den Ohrdrufer Übungsplatz bieten. Die Technik wird ehrenamtlich gepflegt. Nur für den Diesel müsste einen Beitrag leisten, wer Panzer fahren will.

Peter Riecke / 09.10.14 / TA

Dieser Artikel aus dem Webauftritt der "Thüringer Allgemeine"- Zeitung stellt unser Projekt vor.

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